Wie kann Kunstvermittlung ein Bewusstsein für die Lebendigkeit der Welt schaffen? Welche Rolle spielen künstlerische Praxis, ästhetische Erfahrung und Ausstellungsvermittlung in einer Zeit, in der sich unser Verständnis von „Natur“ grundlegend verändert?
Das Museum Sinclair-Haus und das internationale Netzwerk „Nature through Art“ luden am 10. Juni 2026 zu einer öffentlichen Tagung ein. Im Mittelpunkt standen aktuelle Positionen einer Kunstvermittlung, die Kunst und Natur zusammendenkt – zwischen Ästhetik und Ökologie, Kunst und Naturwissenschaften, Fühlen und Wissen. Auf dem Programm standen Vorträge, Gespräche und Workshops. Zudem wurde das E-Book „Nature through Art. Art Education for Ecological Awareness“ vorgestellt, das zentrale Ansätze und Erfahrungen des Netzwerks bündelt.
Traditionell war Natur für die Künste Motiv und Material. Mit dem sogenannten „Ecological Turn“ seit den frühen 2000er-Jahren verschieben sich die Perspektiven: Natur erscheint nicht länger als Gegenüber des Menschen, sondern als Beziehungsgefüge, in das der Mensch als handelndes und prägendes Lebewesen eingebunden ist. Diese Neubestimmung hat weitreichende Folgen für kuratorische Praxis und Kunstvermittlung.
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In Vorträgen, Gesprächen und praxisorientierten Workshops wurden unterschiedliche Ansätze der Bildungs- und Vermittlungsarbeit vorgestellt und diskutiert. Die Tagung war der öffentliche Teil eines Netzwerktreffens von Nature Through Art und richtete sich an Kunstvermittler:innen, Kurator:innen, Künstler:innen, Wissenschaftler:innen sowie alle Interessierten.
„Nature Through Art“ ist ein Peer-Education-Netzwerk der Bildungsabteilungen von Fondation Beyeler (Riehen/Basel), Gerðarsafn Museum (Kópavogur, Island), Louisiana Museum of Modern Art (Humlebæk, Dänemark), Moderna Museet Malmö (Schweden), Moderna Museet Stockholm (Schweden) und Museum Sinclair-Haus (Bad Homburg), das den Austausch über Methoden, Diskurse und Perspektiven der Kunstvermittlung fördert, in denen Natur als ein aktives Feld von Beziehungen, Wissensformen und Wahrnehmung verstanden wird.
Das war unser Programm am 10.6.2026
Das waren die Workshops zur Auswahl:
1) In Togetherness: Encountering nature becomes art, Workshop von Karin Bergdolt (Künstlerin und Kunstvermittlerin)
2)Deep Listening Movement - a methodology for artistic environmental education, Workshop von Anno Bolender (Tanz, Tanzpädagogik)
3) The object is present - Ästhetische Forschung im Kontext von Müllsammlungen für eine Haltung radikaler Achtsamkeit gegenüber der uns umgebenden Welt, Workshop von Astrid Lembcke-Thiel (Freie Kuratorin für künstlerische Prozesse und forschende Künstlerin)
4) Meadowing: Collective research on coexistence, Workshop von Sina Ribak (Forscherin Ökologie und Kunst)
Das Museum Sinclair-Haus der Stiftung Kunst und Natur ist das einzige Kunstmuseum Deutschlands mit dem thematischen Schwerpunkt zeitgenössische Kunst und Natur. Seine „ökosensiblen“ Ausstellungen und Kunstvermittlung erkunden auf unterschiedliche Weisen das Gefüge unterschiedlicher Lebewesen und sensibilisieren für das Beziehungsgeflecht der mehr-als-menschlichen Welt und die Rolle des Menschen darin. Menschen unterschiedliche Altersklassen werden dazu angeregt, die Lebendigkeit der Welt auf vielfältige Weisen zu erleben.
In künstlerisch-gestalterischen Prozessen – etwa durch das Arbeiten mit den Händen, das eigene Erforschen der Umgebung, durch Wahrnehmen mit allen Sinnen, den Austausch über das Erlebte und kreatives Schaffen – erleben die Teilnehmenden ihre Selbstwirksamkeit. Die Kunstvermittlung öffnet Möglichkeits- und Resonanzräume, in denen die eigenen Beziehungen zur lebendigen Welt erforscht und erfahrbar werden können. Im bildnerischen Tun werden Vorstellungskraft und Kreativität gestärkt und Visionen für andere Zukünfte erdacht – im gemeinsamen Denken und Experimentieren können sie fühl- und vorstellbar werden.
Die Tagung folgte den Arbeitsfragen der Kunstvermittlung am Museum Sinclair-Haus:
Wie können wir uns mit Kultureller Bildung und Kunstvermittlung dafür einsetzen – oder neue Wege erfinden –, um Beziehungen zu Pflanzen, Tieren, Pilzen, dem Boden und den natürlichen Kreisläufen des Lebens zu knüpfen? Wie können wir Möglichkeiten schaffen, um die Lebendigkeit der Umgebung zu erfahren?
Zielgruppe
Die Fachtagung richtete sich an Kunstvermittler:innen, Kurator:innen, Künstler:innen, Wissenschaftler:innen, sowie alle Interessierten.
Mit internationalen Gästen des Netzwerks Nature through Art, bestehend aus Vertreterinnen der Vermittlungsabteilungen von Moderna Museet Malmö (Schweden), Moderna Museet Stockholm (Schweden), Garðasafn Museum (Island), Louisiana Museum of Modern Art (Dänemark), Fondation Beyeler (Schweiz).
Ort der Tagung:
Bad Homburg, Saal der St. Marienkirche, Dorotheenstr. 13, 61348 Bad Homburg. (in Laufnähe zum Museum Sinclair-Haus)
Verpflegung:
Es wurde für Verpflegung vor Ort gesorgt.