Ylla, Kamel, 1936, Fotografie
Ein Wal singt durch die Weite des Ozeans. Eine Fledermaus erkundet die Nacht mit Schall und Echo. Raben rufen einander zu. Überall auf der Erde wird gesungen, gepfiffen, gezwitschert, gebrummt und geklickt. Wir leben auf einem Planeten, den unzählige Tierstimmen zum Klingen bringen.
Schon immer lauschen Menschen den Stimmen anderer Tiere. Ihre Rufe, Gesänge und Klänge faszinieren, berühren und geben Rätsel auf. Sie erzählen von Orientierung und Nahrungssuche, von Liebe und Gefahr, von Spiel und Gemeinschaft. Manche Stimmen sind uns vertraut, andere bleiben uns fremd. Doch alle sind Ausdruck eines lebendigen Planeten. Wahrscheinlich haben Menschen sogar ihre Musik ursprünglich von anderen Tieren gelernt, indem sie ihren Gesängen zuhörten und sie imitierten.
Jede Tierart trägt zum Klang der Erde bei. Wenn Arten verschwinden, verstummen auch ihre Stimmen. Zugleich überlagern vielerorts menschliche Geräusche die Laute anderer Lebewesen: Die Motorengeräusche von Flugzeugen, Autos, Schiffen, aber auch Laubbläsern prägen die Klanglandschaften unserer Zeit.
Die Ausstellung lädt dazu ein, Tierstimmen genauer zuzuhören. Sie versammelt Künstlerinnen und Künstler, die genau das tun. Sie lauschen, antworten, ahmen nach und lassen sich von den Klängen anderer Tiere leiten. Ihre Arbeiten eröffnen neue Zugänge zu einer Welt, die uns umgibt, aber von uns oft ungehört bleibt. Wir laden Sie dazu ein, sich mit einem (künstlichen) Raben zu unterhalten, die Welt mithilfe von VR aus der klanglichen Perspektive einer Fledermaus zu erleben, vielfältigen Stimmen zu Land und unter Wasser zu lauschen – und schließlich Kommunikation jenseits des Klangs zu erkunden.
Wer lauscht, entdeckt ein dichtes Geflecht von Stimmen und Sprachen, von Melodien, Rhythmen und Lauten. Es verbindet Wälder, Meere, Wiesen und Städte zu einer gemeinsamen Klangwelt. In ihr begegnen wir anderen Lebewesen – nicht, indem wir sie ganz verstehen, sondern indem wir ihnen Aufmerksamkeit schenken. Und manchmal wird aus Klang Begegnung.
Kuratiert von Jessica Ullrich und Martin Ullrich
Mit: Ars Electronica Futurelab (Peter Holzkorn, Nicolas Naveau, Anna Weiss), Marek Brandt, Michelle Cheng, Catherine Clover, CMUK, Marcus Coates, Emily Doolittle, Fevered Sleep, Ariel Guzik, Alice Q. Hargrave, Michaela Harrison, Olga Karlíková, Tuomas A. Laitinen, Alexander Liebermann, Neozoon, David Rothenberg, Leena Saarinen, Abigail Sanders, Yiou Wang, William Wegman, Jana Winderen, Ylla sowie Soundscapes, Musik und zahlreichen Tierstimmen