Aufkleber Kunstausbruch

#kunstausbruch

Kunst greift Raum

22 Künstler*innen deutschlandweit gehen in Zeiten geschlossener Türen mit ihrer Kunst in die Gesellschaft.

Kunst und Künstler*innen befinden sich im Lockdown. Während sie gleichsam eingesperrt sind, ist das Publikum ausgesperrt. Das Publikum steht vor verschlossenen Museums-, Galerie- und Theatertüren. Die Menschen sind draußen und kommen nicht rein – die Kunst ist drinnen und kommt nicht raus.

In diesen Zeiten geschlossener Türen will die Stiftung Kunst und Natur Künstler*innen dazu ermutigen, mit ihrer Kunst auszubrechen, nach draußen und zu den Menschen zu gehen. Kunst bricht aus, greift Raum, wird sichtbar und verschafft sich Gehör:

Unerwartet, kreativ, überraschend.

22 Künstler*innen aus dem deutschsprachigen Raum sind eingeladen ihrer Kunst Raum und Resonanz zu geben: Sie kreieren freie Originalarbeiten bei deren künstlerischer Gestaltungen keine Vorgaben und Grenzen gesetzt sind. Die Künste sind in ihrem ganzen Facettenreichtum vertreten - von Dichtung und Sprachkunst, über die bildenden Künste, Musik, Sound- und Klangkunst, Digital Arts bis hin zu Performance und Tanz.

Katharina Bach (deutschlandweit), Marina Rodriguez (Berlin-Kreuzberg), Jan Wagner (Brandenburg), Studierende der Theaterakademie August Everding (München), Sophia Schama (Berlin), Marie Donike & Johannes Specks (Köln), Eveline Petersen-Gröger (Hamburg), Anne Schülke und Detlef Klepsch (Düsseldorf), Robert Weissenbacher (München), Dalibor Markovic (Frankfurt/Main), Ayhan Keser (Hamburg), Rainer von Vielen (Allgäu), LBT (München), Jelena Kuljic (Berlin oder München), Julian Warner alias Fehler Kuti (München), Peter Schwalm (Frankfurt/Main), Christian Felix Benning (München), Tanja Kodlin (Köln), Betty Mü und Tanja Hirschfeld (München), doublelucky productions (Berlin), Mareike Steffens (Kassel), Antje Blumenstein (Berlin)


Augen und Ohren auf!

Deutschlandweit sind vom 5. bis 11. April 2021 an den unterschiedlichsten Orten Kunstausbrüche zu beobachten: Physisch und direkt für die Menschen im öffentlichen und gesellschaftlichen Raum vor Ort – und direkt darauf transferiert in den digitalen Raum. Die digitale Dokumentation der Aktionen wird am 28. April 2021 an dieser Stelle erscheinen.

Manche Kunstausbrüche finden unangekündigt und überraschend statt, andere lassen sich live oder digital erleben.

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​Jan Wagner

Poetry Home Delivery
Auf Fahrradtour durch Brandenburgs Dörfer

Noch auf dem abgelegensten Dorf muß niemand ohne frische Brötchen, hundertfünfzig Gramm Gouda in Scheiben oder drei, vier Fenchelknollen auskommen, die frische Milch schafft es nach Gerswalde wie nach Sternhagen - denn zuverlässig und wie eh und je fahren die Bäcker, Schlachter und Gemüsehändler mit ihren Lieferwagen über Land, öffnen pünktlich und stets nach einem hofhundaufscheuchenden, hühnerschreckenden Hupen die Fenster oder klappen (an einem Dienstag, Mittwoch, Freitag) die Verkaufstresen herunter, bis die Schlange sich aufgelöst hat und es weitergeht Richtung Flieth. Das ist, zumal in Zeiten der Seuche, ein beinahe tröstendes Ritual, erst recht, wenn die hervorragenden Eclairs noch nicht sämtlich im Nachbardorf in den Papiertüten verschwunden sind. Was nicht frei Haus geliefert wird? Die Poesie. Ein Mangel, dem, wenigstens einen Tag lang, abgeholfen werden soll, wenn auch nicht im Lieferwagen, sondern auf dem Fahrrad, quer durch die brandenburgische Uckermark - natürlich nur, sofern Zeit für ein paar Verse ist, ein Gedicht gewünscht wird, und nur, so lange der Vorrat reicht.

jan-wagner-lyrik.de

Type: video

Betty Mü und Tanja Hirschfeld

Die Frau im Wolfspelz  - Videoinstallation in der Bar „Holy Home“ in München
Type: video

Katharina Bach

Ménage à trois des Todes - Ein Kurzhörspiel (bundesweit)
Type: video

Rainer von Vielen

Sonnenaufgangskonzert an der Nebelhorn-Gondelbahn im Allgäu
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doublelucky productions

Atmen
Schaufenster des CLB am Berliner Moritzplatz

Alles Leben atmet. Eine Lunge ist dafür nicht nötig. Pflanzen atmen, obwohl sie keine Lunge haben. Daten atmen, obwohl sie keine Lunge haben. Atmen heißt, Materie zirkulieren zu lassen, die Welt ins Innere aufzunehmen und verändert wieder nach Außen abzugeben: sich mit der Welt zu mischen.

Im Schaufenster des CLB am Berliner Moritzplatz zeigen doublelucky productions im Rahmen von #kunstausbruch eine Videoinstallation, die stets neue Bilder von ihrer Umgebung aufnimmt und diese Bilder verändert in die Umgebung zurückgibt. Das Video atmet. Daten, Betrachtende und Umgebung mischen sich. Eine neue Atmosphäre entsteht.

Teil der Installation ist ein Soundtrack, der über einen QR-Code aufs Smartphone geladen werden kann.

Video: Chris Kondek
Musik: Hannes Strobl
Text: Christiane Kühl

www.doubleluckyproductions.org

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Marina Rodriguez

Der innere Monolog und der Bewußtseinstrom
Innerer Monolog durch Berlin-Kreuzberg

„A need to tell and hear stories is essential to the species Homo sapiens--second in necessity apparently after nourishment and before love and shelter. Millions survive without love or home, almost none in silence; the opposite of silence leads quickly to narrative, and the sound of story is the dominant sound of our lives, from the small accounts of our day's events to the vast incommunicable constructs of psychopaths.“

― Reynolds Price, A Palpable God: Thirty Stories Translated from the Bible with an Essay on the Origins and Life of Narrative.

Theresa Duncan zitierte diesen Text in ihrem Blog, bevor sie sich umbrachte. Sie war eine Künstlerin, die von ihrer eigenen Erzählkunst besessen war. Ihre Geschichten waren ihr Licht und ihre Dunkelheit, die Stimmen in ihrem Kopf waren ihre höchste Kunst und ihr Ende.

Nach so viel Zeit mit geschlossenen Türen, mit Räumen ohne menschlichen Austausch, mit digitalen Begegnungen werden die eigenen inneren Monologe stärker. In den (sozialen) Medien, aber auch in persönlichen Kreisen spiegelt sich dies wieder. Menschen beschäftigen sich mit ihrer inneren Stimme, die eigentlich einen Schutzmechanismus darstellt. Sie bringt Struktur in die Zufälle, in das Chaos des Lebens. Sie hilft uns, uns nicht verloren zu fühlen und erklärt uns die Welt und warum uns passiert, was uns passiert ist.

Marina Rodriguez will die inneren Stimmen des Menschen auf eine performative Ebene übertragen. Durch die Teilhabe, durch das Öffentlich-Machen, den Austausch fühlen wir uns weniger verloren. Dadurch sind wir mit unseren Ängsten, Vorurteilen, unseren Überzeugungen und Widersprüchen nicht mehr alleine. So erkennen wir im Anderen, was auch in uns selbst abläuft – und der Andere erkennt ins uns, was in ihm vorgeht.

marina-rodriguez.com

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Antje Blumenstein

Kunstinstallation an einer ehemaligen Bushaltstelle in den Uferhallen Berlin

Die Uferhallen, früher BVG Werkstätten für Busse und Bahnen, heute ein Standort für Kunst und Kultur mit etwa 150 ansässigen KünstlerInnen und Gewerbetreibenden. Sie sind in Berlin nicht nur durch Veranstaltungen und die jährlichen Ausstellungen mit ansässigen und externen Künstler*innen bekannt, sondern auch durch den Kampf der Mieter*innen um diesen Kulturstandort, auf dessen Besonderheit durch diese Installation aufmerksam gemacht werden soll.

Die auf dem Vorplatz des Geländes verbliebene Bushaltestelle (genutzt als Briefkastenstandort) wird an ihren Außenflächen voll verspiegelt, um somit die Umgebung in ein Wechselspiel aus Licht und Schatten zu verwandeln. Der Platz, der regelmäßig als Aufenthaltsort genutzt wird, lädt nun dazu ein, aktiv die neu entstehenden Blickwinkel zu erforschen, Teil der Umgebung zu werden oder auch nur die sinnliche Ästhetik einer optischen Verdoppelung zu genießen.

antjeblumenstein.de

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Studierende der Theaterakademie August Everding

Indeed, I heard something and something heard me
Eine multimediale Forschung zum Paradox der Kontaktaufnahme im Bürgermeistergarten an der Ismaninger Straße in München

Von und mit Alessa Maria Karešin & Paulina Platzer

Wir haben vergessen, dass wir nicht alleine sind. Menschen und Vögel diverser Arten leben nebeneinander her, leben aneinander vorbei. Anstatt eine Kommunikation zwischen den Spezies anzustreben, wird die Natur verdinglicht. Selbst die Nischenräume, die wir der Natur innerhalb des Stadtraums zugestehen, obliegen unserer Objektifizierung und werden zur Produktionsstätte für Erholung, um unsere Regeneration zu sichern. Eva von Redecker schlägt vor, die Natur als Ensemble von Gezeiten anzusehen, die Ausmaße der Klimakrise nicht als Zahlen auf der Verlustliste der Eigentümer*innen, sondern als Zeitverluste zu verstehen. Kontaktaufnahme braucht Zeit. Zeit, die wir nicht haben.

Wir wollen einen Ausbruch aus diesem Kreislauf wagen. Wir wollen uns Zeit nehmen. Wir wollen unseren Blick in einer aktiven Auseinandersetzung mit der Natur fokussieren, um ihn hierarchielos schweifen zu lassen. Wir wollen Zwischentöne und Rauschen erfahren, dem Innen und Außen entgehen und uns in Nischen verorten. Wir wollen uns Entschleunigung, Diffusität und Zufall aussetzen. Und wir wollen performativ ausloten, inwiefern eine aktive Beobachtung als umsichtige Praxis dienen kann, die das hierarchische Ungleichgewicht zwischen Mensch und Natur ins Wanken bringt. Wir wollen fraktale Versuche im liminalen Raum gegen die Verwertungslogik unternehmen, bevor wir wirklich alleine sind.

theaterakademie.de

Type: video

Christian Benning

Percussionkonzert im Olympiaturm München
Type: video

LBT

Unplugged-Elektro-Orgel-Konzert in der St. Matthäus-Kirche in München
Type: video

Eveline Petersen-Gröger

Kalligraphie an zwei Standorten in Hamburg
Type: video

Jelena Kuljic

Jazzkonzert in Berlin oder München
Type: video

Ayhan Keser

the pink deer
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Marie Donike & Johannes Specks

Kunstboxen
Kunst zum Mitnehmen in Köln

Durchgefärbte Leinen-, Baumwoll- und Synthetik-Stoffe in Kreise geschnitten, vernäht, mit Schafwolle gestopft, zu Miniaturkissen geformt und in Papierkartons gelegt, auf den Gehweg gestellt, sich selbst überlassen. An verschiedenen Orten in der Stadt platziert, fragen sie nach dem Wert von Kunst und fordern ihr zufälliges Gegenüber, die Passant*innen, zur Partizipation auf. Ein Spiel mit der Neugier, dem Blick in die Kiste, der Frage nach dem was ist das?

mariedonike.de

johannesspecks.de

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Mareike Steffens

orange moon (AT)
Tanzperformance in einem Schaufenster in Kassel

which image stays after you have left a place?

what is imprinted in the person’s memory you have spent time with?

Räume sind temporär.
Sind Potenzial für einen geteilten Moment.
Wir fragen uns, wie sie in uns weiter räsonieren.
Wie wird ein Raum zu einem Ort?

Die Poesie des Bildes eröffnet unerwartete Zugangswege, Aktionen und Reaktionen.
Entstehende Bilder in ihrer Flüchtigkeit lassen facettenreiche Assoziationsketten zu.

In orange moon begegnen sich eine Performerin und Passant*innen in ihren unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Handlungsspielräumen.Eine installative Tanz-Performance im öffentlichen/teil-öffentlichen Raum von und mit Mareike Steffens

mareikesteffens.net

Foto: Stephan Rech

Type: video

Anne Schülke und Detlef Klepsch

an ein Ende geraten - Plakat-Aktion im Stadtraum Düsseldorf
Type: video

J. Peter Schwalm

​Numbers become Stories – Sound- und Textinstallation in einem Wohnhaus-Hof in Frankfurt/Main
Kunstausbruch Kodlin
Type: video

Tanja Kodlin

Bewegungsperformance in einer Glasvitrine in der Kölner Innenstadt
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Robert Weissenbacher

Über|Eck
Malerei in München

Eine ortsspezifisch angefertigte Hinterglasmalerei mit Eitempera, die die Trennschicht zwischen Innen- und Außenraum thematisiert und dadurch mit der Umgebung in Dialog tritt.

Die aktuelle Lockdown-Situation fordert von Künstler*innen und Betrachter*innen gleichermaßen, „über Eck“ zu denken und neue Wege zu gehen. Die Hinterglasmalerei lässt die Kunst aus dem derzeit geschlossenen Raum ausbrechen und in den öffentlichen Raum hinein wirken. Dies geschieht auf einer höchst sinnlichen Ebene: Je nach Beleuchtung und Lichteinfall zeigt sich jedes Mal die Malerei sprichwörtlich in einem neuen Licht.

robert-weissenbacher.eu

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Sophia Schama

5-Tage lang 24 Stunden: Kunstausbruch an den Fenstern ihres Erdgeschoss-Ateliers in Berlin

Kontakt

Dr. Mario Grizelj
Dr. Mario Grizelj
Leitender Kurator
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