Günther Uecker, aus der Serie Uruguay, 1996, Aquarell auf Bütten, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Ein Ort für die Begegnung mit Kunst und Natur. Das ist Nantesbuch. Im dritten Jahr findet dort nun das Moosbrand Literatur- und Musikfest statt und bringt drei Tage voller Lesungen, Musik und Gespräche ins Voralpenland. Literatur- und Musikinteressierte kommen von nah und fern, um in der besonderen Atmosphäre des grün umstandenen Langen Hauses mit seinem Blick über die Moorlandschaften bis in die Berge den unmittelbaren Austausch mit Autoren, Schauspielern, Musikern, Philosophen und Wissenschaftlern zu suchen.

Streifzüge durch die Zeit

Während im ersten Jahr die Lesungen, Gespräche und Konzerte um den Beginn allen Seins kreisten, im zweiten den Elementen freier Lauf gelassen wurde, steht in diesem dritten Jahr das Erleben der Zeit im Mittelpunkt.

Drei intensive Tage laden ein zu literarischen und musikalischen Reisen in die Zeit, die sich als ununterbrochene Abfolge des Jetzt gibt. „Jedes Jetzt ist auch schon ein Soeben beziehungsweise Sofort“, folgert Martin Heidegger aus Kants Kritik der reinen Vernunft über Gleichzeitigkeit, Ungleichzeitigkeit und die Aufeinanderfolge von Ereignissen. Welcher Moment bildet also die Wirklichkeit ab? Immer nur der, der schon vergangen ist? Rührt daher die Schwierigkeit der Menschen, ihrer Verantwortung für die Zukunft gerecht zu werden?

Moosbrand 2019 nimmt sich Zeit für ein Fest des Lesens, Musizierens und Innehaltens inmitten der überzeitlichen Schönheit der Natur des Voralpenlands.

Kunst wäscht den Staub des Alltags von unserer Seele

Pablo Picasso

Eine Reise durch die Nacht, ein Lob des Schattens und ein Gespür für Licht

Die Lesungen, Gespräche und Konzerte von Moosbrand handeln vom natürlichen Rhythmus des Tages, des Jahres und des Lebens. Sie erzählen von Vergänglichkeit und Erinnerung, von Warten und Erneuerung. Der Fluss der Zeit ist ein Synonym für das Leben selbst, den Ursprung und die Quelle, von den Ufern, die vorüberziehen und von denen man auf die Wellen des Wassers blickt, von der Mündung in das Meer.

Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von unseren Seelen zu waschen, wusste Pablo Picasso. Die Literatur hebt alle zeitlichen und räumlichen Beschränkungen des Alltags und der Realität auf, befreit die Einbildungskraft und erweitert das Denken und Wahrnehmen. Musik ist eine Zeitkunst, eine Kunst der Innerlichkeit und – der Stille.

Von Nacht und Tag, von Licht und Schatten sprechen die Autoren Christoph Ransmayr, Tanizaki Jun’ichirō, Marica Bodrožić und John Burnside. Große Texte wie Marlen Haushofers „Die Wand“ oder Vladimir Nabokovs „Erinnerung, sprich“ werden musikalisch-literarisch inszeniert. Es lesen die Schauspieler Marie Bäumer, Peter Brombacher, Martina Gedeck, Wolfram Koch, Axel Milberg, Angela Winkler und Hanns Zischler. Anja Lechner & Pablo Márquez, David Helbock mit seinem Trio, Nils Wülker & Arne Jansen, das Duo Homburger / Guy sowie das Klenke Quartett gestalten die musikalischen Beiträge. Iain Galbraith und Hans Jürgen Balmes suchen mit Einführungen und Gesprächen einen tieferen Zugang zu den Texten.

Die dreitägigen Streifzüge durch die Zeit beginnen mit einer Langen Nacht der Geheimnisse, die über fünf Stunden in den Zauber der Dunkelheit eintaucht. Der helle Tag darauf nimmt den Lauf der Zeit in den Blick, der sich zum Abend fast in Zeitlosigkeit aufzulösen scheint – bis die Besucher am dritten Tag zum Ursprung der Tage zurückkehren und sich der Kreis schließt.

Brigitte Labs-Ehlert, Kuratorin

Impressionen Moosbrand 2019

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Programm

Streifzüge in die Zeit
NANTESBUCH - MOOSBRAND - LITERATUR- UND MUSIKFEST
Streifzüge in die Zeit
Veranstaltungspass zum Besuch aller Veranstaltungen des dreitägigen Literatur- und Musikfests

3 Tage, 20.- 22.09.19

Ausgebucht

Veranstaltung abgelaufen, keine Buchung mehr möglich.